Das Planetenparty Prinzip

Performance Kollektiv

Um die Sonne-Blog: Eintrag #3

Eintrag #3 – Das Manifest tritt auf
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Es  ist ein Montag, der 15.10.2018. 
Wir sitzen im Planetarium und trinken Kaffee und reden. Keiner hat seine Aufträge erfüllt, außer ein Planet. Wenn sich ein Projekt über einen so langen Zeitraum zieht werden die Leute faul.

Die Gruppe stellt fest und findet sich zusammen.

Wir setzen uns auf unsere Sofas.
Wir reden über eine fixe Kamera.
Wir denken eine Straße entlang.
Wir stellen uns Fragen:
Wo verschwimmen die Grenzen?
Was ist inszeniert und was ist real?
Welche Filmformate kennen wir?

Wir suchen Beispiele.

Wir reden über The Square. Ein Planet liebt diesen Film, andere offenbar nicht. Zu kommerzielle zu leicht zu offensichtlich. Ich hab ihn nicht gesehen. Aber das werde ich noch. Wenn the square zu konventionell ist, Was ist dann mit den Happy Sweden?

Helmut sagt, man wird in diesem Film zum Voyeur.

Wir sprechen über Assoziation und darüber  wie lang kann man assoziieren kann, bzw. wie lange man das Publikum assoziieren lassen kann, das Publikum zum Voyeur machen. Wie spannend ist das und was kommt einem in den Sinn? 

Wir sind uns mit der Astrologin nicht einig. Das führt uns dazu, was ich wem in der Gruppe unterstelle und ab wann man überrascht ist?

Wir reden über Richard Dawkin, der die These vertrat, dass jede Religion, egal welche, böse ist. Warum braucht es Gespräche über Gott?

Wir diskutieren noch immer.

Helmut sitzt neben mir, gegenüber drei Planeten die über Wissenschaft und Religion diskutieren. Plötzlich komm ich mir vor wie eine Kamera, eine fixe Kamera die alles festhält und dokumentiert. Ich zoome weiter weg und beobachte das Geschehen von oben.

Ich stell mir vor ich bin die Assistentin des Psychologen Helmut, gegenüber drei junge KünstlerInnen die versuchen die Welt zu verstehen.

Ich komme wieder zurück und wir befinden uns schon bei dem nächsten Thema.

 

Wir reden über Zuschreibungen.

Was uns zu der Frage führt, was unterstellt man gerne den einzelnen MItglieder einer Gruppe.  Welche Entwicklungsstadien geht der Verstand, wenn man sich verändert. Zum Beispiel, wenn ein Gruppenmitglied plötzlich beschließt Vegetarier zu sein, der immer gern und viel Fleisch zu sich nahm. Wie reagieren die anderen auf diese Veränderung? Akzeptieren sie diese Veränderung? Hinterfragen sie die Veränderung? Mögen sie die Veränderung. Bringt das das Gruppen-Gleichgewicht durcheinanderer?

Wir sitzen noch immer auf beiden Sofas.

Wir beobachten uns und stellen weiter fest.

Wir reden über: Rational gegen Emotional. Man sollte sich nicht zu sehr reflektieren. Man will rational sein, ist aber auch ein emotionales Wesen und sucht gern den Schmerz, das Abenteuer und den damit verbunden Nervenkitzel. Ich zitiere “ Manche Menschen lernen durch Vernunft, andere durch Schmerz”. Kaum ausgesprochen, stelle ich schnell fest, wie unbefriedigend dieses Zitat doch ist. Es ist zu pauschal…. zu einfach. Der Mensch ist viel, vielschichtiger.

Wir fragen uns, kann man am gebrochenen Herzen sterben?

Wir reden noch immer über die Wissenschaft und den kranken Profi-Cellisten der durch die Macht des Verstandes seinen Traum realisiert hat, obwohl die Ärzte und die Wissenschaft im keine Hoffnung machten.

 

Die Gruppe verändert sich

Ein Planet kommt bei der Tür rein. Wir resümieren kurz und wechseln zum Thema Spielstätte. Kurzes Brainstorming mit Helmut. Helmut wirft das Wort Manifest in den Raum.

Manifest – Kollektives Manifest – entwickeln – Dogma – wie muss ein Film gemacht werden.

 

Das Manifest des Futurismus

Helmut hat recherchiert, dabei stieß er auf Das Manifest des Futurismus von 1909. Wie wäre es nach solch einem Prinzip zu Leben? Das Manifest ist machistisch, radikal, naiv, nicht zeitgemäß, faschistisch, Kind der 20iger Jahre, vor Adolf Hitler, Wittgenstein und ambivalent.

Was uns interessiert ist die Radikalität. Was vertreten wir? Was werden wir behaupten zu vertreten? Welche Ideologie soll es sein?

Ich geh aufs Klo und als ich wieder zurückkomme reden wir über Lars von Trier und den Film Idioten.


Plötzlich ist alles ein Manifest

Oder alles was du sagst gewinnt an Bedeutung. Nichts ist ohne Bedeutung?

Jedes Statement wird zum Manifest…Auszug aus dem Manifest: …ein aufheulendes Auto, wir wollen den Mann besingen der das Steuer hält.

Wie lernen wir?
Wie lernen wir von dem Geschehenen und wohin wollen wir?

Wir stellen weiters fest:

Wir wollen die Kunsthalle nicht als klassischen Theaterraum begreifen. Wir wollen ein Regelwerk kreieren. Wir sind eine fiktive Gruppe  die radikal ist.
Wir denken über Stationen nach, die man abarbeiten muss.

Ein Planet zitiert irgendwas.

Ein Abend der durchgeplant ist, an dem man um 21.05 Kuchen essen wird.

 

Wir stoßen auf weitere Fragen.

Was ist die Kunst wert?
Ist es ein Happening?
Ich denk mir, denkt performativer!!!

Weiters stellen wir fest:

Wir reden über Performance und was das eigentlich ist.
Wir reden über die Abramovic und das sie mal einen ganzen Tag wo gesessen ist.
Wir wollen die Anleitungen von Frau Abramovic lesen und wir wollen ihnen folgen.
Wir starten eine Art Selbstexperiment.
Wir reden übers Träumen und ob Kunst Kunst ist.

Demnächst schauen wir uns gemeinsam einen Film an. Wir haben die Sofas diesmal nicht verlassen.